Klassische Fragen&Einwände

1) Ende der Erwerbsarbeit?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet das Ende unserer Leistungsgesellschaft oder führt zumindest zu einem starken Einbruch der Erwerbsarbeitswelt, glauben viele Kritiker. Nicht selten wird auch der Vergleich zum Kommunismus gezogen.

 Das bedingungslose Grundeinkommen stellt aber nicht ein einheitliches Einkommen dar, sondern nur eine einheitliche Einkommensbasis, einen sozialen Sockel für alle. Nach oben bleiben die Löhne weiterhin offen.

Es bleibt natürlich die Frage, wieviele Personen sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen − in den folgenden Modellen wird ein Betrag von 2500 Fr. vorgeschlagen − zufrieden geben und nicht mehr arbeiten werden. Die Autoren des Film-Essays “Grundeinkommen” gingen dieser Frage in hunderten von Gesprächen nach.

 Ihre Ergebnisse:

  1) Ja, aber:

- in einer anderen Stelle
- reduziert
- zu anderen Bedingungen

Mit dem Grundeinkommen entfällt zwar der unmittelbare materielle Zwang zur Erwerbsarbeit, der finanzielle Anreiz bleibt aber erhalten. Die meisten Menschen werden sich mit 2500 Fr. im Monat nicht begnügen und durch Erwerbsarbeit dazu verdienen wollen.

2) Wird der Arbeitsmarkt zu unflexibel?

Die Arbeitnehmer werden durch die Absicherung des Grundeinkommens flexibler und ihre Arbeitsmotivation wird − wie vorhin dargelegt − kaum abnehmen. Je nach Modell, welche teilweise eine Senkung der Arbeitskosten vorsehen, können auch die Unternehmen eher einmal kurz- oder mittelfristig eine Person mehr einstellen, da die Kosten weniger ins Gewicht fallen.

3) Und unattraktive Arbeiten?

Wer reinigt noch die Toiletten und sammelt den Müll ein, wenn alle ein Grundeinkommen haben? Wahrscheinlich in etwa dieselben Leute wie heute, denn auch die möchten lieber mehr als weniger verdienen. Dennoch erlaubt ihnen das Grundeinkommen auch einmal “Nein” zu sagen, wenn die Bedingungen nicht stimmen. Also muss wohl die Arbeit attraktiver gemacht werden, z.B. durch:

 – bessere Entlohnung (z.B. Grundeinkommen + heutigen Lohn beibehalten)
Möglichkeit zur Teilzeitarbeit
bessere Arbeitsbedingungen

Dank dem sozial absichernden Grundeinkommen müssen aber auch nicht mehr künstlich Arbeitsplätze aufrechterhalten werden. Die Maschinen können dann Menschen von strenger, gefährlicher oder monotoner Arbeit befreien, ohne dass dabei neue Armutssituationen geschaffen werden.

4) 2−Klassengesellschaft

Könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen die 2−Klassengesellschaft noch verstärken? Kaum, eher das Gegenteil wird der Fall sein, denn:

Das Grundeinkommen wird als Grundrecht angesehen, es steht allen unabhängig von ihrer finanziellen Situation zu. Damit entfällt auch eine (oftmals als diskriminierend empfundene) sozialadministrative Bedarfsprüfung. Auch Leute die heute aufgrund des stigmatisierenden und intransparenten Charakters der Sozialversicherungen ihnen eigentlich zustehende Leistungen gar nicht beziehen, erhalten dann ein ausreichendes Einkommen, um bescheiden zu leben.

Arbeitslose können eine Erwerbsarbeit aufnehmen, ohne dass dabei ihr Grundeinkommen gleich wieder um den entsprechenden Betrag gekürzt wird. Zusätzliche Arbeit lohnt sich, die sogenannte Armutsfalle verschwindet.

5) Ende der Eigenverantwortung?

Das Grundeinkommen führe zu einer Abnahme der Eigenverantwortung, der Arbeitsmotivation und des (Aus-) Bildungswillen der Menschen, lautet eine gängige Befürchtung. Empirisch kann dem entgegengehalten werden, dass bereits heute sehr viel unentgeltlich gearbeitet wird. Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Statistik wurden in der Schweiz im Jahr 2007 über 700 Mio. Stunden Freiwilligenarbeit geleistet (Quelle: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/fr/index/themen/20/22/publ.Document.113378.pdf).

Tätigkeiten im privaten Sektor wie Hausarbeit, Nachbarshilfe usw. fallen dabei noch nicht unter diese Kategorie. Für das Jahr 1997 liegt eine entsprechende Studie vor. 6547 Mio. Stunden bezahlter Arbeit standen in jenem Jahr 7738 Mio. Stunden unbezahlte Arbeit gegenüber.
(Quelle: http://www.brainworker.ch/Zivilgesellschaft/)

Im Argumentarium des Netzwerk Grundeinkommen heisst es dazu: “Wer aus eigener freier Entscheidung und eigenverantwortlich sich engagieren kann, ist hoch motiviert, kreativ und sinnerfüllt tätig… Erzwungene Tätigkeiten dagegen sind Leistung hemmend”. Auch dass das Interesse einen Beruf zu erlernen bei Jugendlichen abnehmen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Die Aussicht auf ein dauerhaft höheres Einkommen, das Interesse am Gegenstand, die Möglichkeit seine Fähigkeiten und Ideen einzubringen und der Drang zur Selbstverwirklichung stellen ausreichende Motivationsfaktoren dar. Hingegen führt drohende materielle Not dazu, voreilig Kompromisse einzugehen und auf ein hohes Ausbildungsniveau zu verzichten.

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